Babes, wo fange ich an. In letzter Zeit, vor allem durch die Reise, hinterfrage ich meine eigene Spiritualität und meine Art zu leben immer mehr. Während es irgendwo eine Kritik ist, ist es auch eine Selbstreflexion – weil ich mich da nicht rausnehme, sondern selbst in diesem Sog stecke.
Kurz zum Anfang
Ich bin gerade 17 und entdecke zum ersten Mal so richtig Spiritualität für mich. Ich folge vielen Youtuber*innen, die vegan sind wie ich. Ich fange an zu meditieren, mache Yoga, trage Hippie-Kleidung, benutze Räucherstäbchen, gehe zu Goas und probiere Rohkost aus. Irgendwie spricht mich das alles an.( Gleichzeitig weiß ich nun mit Ende 20, dass das auch nicht unbedingt Spiritualität bedeutet).Die Vorstellung, dass mehr existiert als das Sichtbare, fasziniert mich. Ich beschäftige mich viel mit Philosophie, lese Bücher und frage mich, was hinter dem Leben steckt. Ich fange sogar an, Philosophie zu studieren – werde aber irgendwann zu genervt von den Harrys in meinen Kursen und wechsle zu Soziologie und Powi, weil ich denke, es sei handfester. What a joke lol.
In der Zeit male ich viel, lese weiter, gehe sogar zu einem buddhistischen Treffpunkt, weil ich so fasziniert bin. Mit der Zeit nimmt alles ein bisschen ab. Ich bin mehr damit beschäftigt zu studieren, lerne meinen Ex-Partner kennen und wende mich der „Wissenschaft“ zu. Ich verliere die Verbindung zu dem, was ich eigentlich fühle. Während die Beziehung immer schlechter läuft und ich dadurch immer abgekapselter werde, entwickle ich starke Angststörungen, Anxiety und mehr. Ich suche nach einem Weg raus.
Damals lese ich das Buch „Angststörungen und Panikattacken dauerhaft überwinden“. Es geht darum, wie wir denken, über psychologische und neurologische Verknüpfungen, über positives Denken und Glaubenssätze. Ich nähere mich langsam wieder der Spiritualität an und beschäftige mich auch eher mit neurologischen Facts – gleichzeitig bastle ich damals mein erstes „Vision Board“, weil ich ja eh nichts zu verlieren habe. Ich hänge es in meinen Schrank. Ich weiß noch den ersten Satz: „Ich wünsche mir mehr Leichtigkeit und Freude für mein Leben.“ Und dass ich “selbstbewusst und offen sprechen möchte”. Ihr müsst euch vorstellen, ich war so anxious davor, dass ich nicht mal ein Referat halten konnte in der Uni. Jede Konversation hat mich so gestresst, dass ich geschwitzt habe.
Ich überdenke es nicht groß. Ich mache das Board, warte. Es hilft. Ich versuche, positiver zu denken, mir Szenarien schöner vorzustellen – und ich trenne mich in der Zeit auch von meinem Ex-Partner, was mir so viel Selbst zurückgibt. Ich finde mich wieder. Ich bin wieder voll im Thema, lese, beschäftige mich mit spirituellen Ansätzen. Ich weiß, dass es eine Kraft gibt, die größer ist als ich, die mich begleitet und beschützt, und das gibt mir Halt. Trotzdem merke ich immer öfter, wie ich mich selbst in Gedanken von Selbstoptimierung, von „immer besser werden“, von „spiritueller werden“, von Kategorien und Schubladen verliere.
Ist das spirituell genug? Und ich sehe viele Inhalte, die mich alles hinterfragen lassen. Ich hinterfrage meine Lebensweise immer mehr. Langsam glaube ich, dass viel von der Spiritualität, wie sie im Westen gelebt wird, das Ego noch mehr in den Mittelpunkt zieht. Vielleicht haben wir das Ego nicht überwunden – wir haben es nur spirituell verkleidet. Das Ich nimmt mehr Raum ein als das Wir.
Während wir uns eigentlich nach Verbindung sehnen, nach Gemeinschaft, bekomme ich durch die gelebte Spiritualität immer öfter das Gefühl, dass es doch eigentlich um Folgendes geht:
– Selbstoptimierung
– Ego-Branding
– Abgrenzung statt Verbundenheit
– „Ich bin Vibes, ihr seid low frequency“
– Konsum, Ästhetik, Identität
– und eine Boho-Version von Kapitalismus
Vielleicht bin ich auch irgendwo falsch abgebogen, aber ich sehe meine eigene angenommene Spiritualität immer kritischer. Ja, das Ich ist wichtig. Sich selbst Raum geben, zu erkennen, dass wir eine menschliche Erfahrung als spirituelle Wesen leben – all das ist wichtig.
Aber ich glaube immer weniger, dass wir uns dafür von allem entfernen müssen und dass sollte auch nicht der Kern sein.
Diese Pseudospiritualität, die ich immer mehr wahrnehme, ist für mich ein Sinnbild der westlichen Gesellschaft. Es geht mehr um das Ziel als um den Prozess – dabei sollte es doch andersrum sein. Es geht darum, wie wir uns in dieser Welt verhalten möchten, was wir anderen mitgeben, welche Rolle wir einnehmen. Ich möchte nicht mit dem Finger auf andere zeigen, eher auf mich selbst, weil das Warum immer größer wird.
Mich zu fragen: Warum mache ich etwas? Und für wen?
Mache ich es für Anerkennung oder für mich? Mache ich es, um zu entfliehen, oder um mich zu verbinden?
Was gibt mir meine Spiritualität?
Kann ich dadurch ein besserer Mensch auch ür die Gesellschaft sein?
Oder dreht es sich eigentlich nur um mich, mein Ego und das, was ich hoffe, daraus zu erhalten – z. B. ein gutes Money Mindset?
Ja, natürlich: Wenn ich glaube, dass ich nichts verdiene, wird es zu mir zurückkommen. Aber wenn ich spirituell sein möchte, um reich zu werden, und meinen Reichtum in den Menschen, meiner Umgebung und meiner Gemeinschaft im Jetzt nicht sehe – laufe ich dann nicht ins Leere?
Ich nehme mich da nicht raus. Auch ich habe mich gefragt, ob ich mich manchmal hinter „Spiritualität“ verstecke, um keine echte Nähe eingehen zu müssen. Obwohl ich nicht glaube, dass das die Quintessenz ist. Wenn wir spirituelle Wesen sind die eine menschliche Erfahrung leben, dann gehört alles dazu, i get it. Jeder von uns lebt seine eigene Wahrheit im Endeffekt wissen wir ja auch nicht wirklich was stimmt und was nicht und die eine Wahrheit gibt es eben nicht.
Und trotzdem weiß ich eins, diese toxisische Produktivität die sich auch in der westlich gelebten Spiritualität versteckt geht mir auf den Sack, dieses immer besser werden, immer streben streben. Ich glaube nicht dass das falls es etwas größeres gibt, sagen wir das Universum will, dass wir irgendwelchen Sachen hinterherlaufen oder irgendwelchen künstlichen Regeln “die uns spiritueller machen” sondern dass wir in Akzeptanz mit uns selbst , das um uns herum sehen, das bedeutet nicht nur Pleasure sondern das hintefragen von dem was wir kennen, uns selbst, wie wir mit anderen Menschen in Verbindung gehen und das fühlt sich nicht immer bequem an, weil das bedeutet auch das mann sich selbst und seine Absichten unter die Lupe nimmt und sich nicht selbst verarscht.
Trotzdem appelliere ich an alle und auch an mich kritischer zu werden, mit dem was Menschen verkaufen, mit dem was wir selbst wählen und leben und vor allem ob unsere eigene Spiritualität uns in Verbindung bringt mit der Welt, mit den Menschen und wir verbundener werden oder uns doch immer mehr von allem entfernen…
In Liebe,
Laura

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